Welcher Teil der Teepflanze wird bei der Ernte ...

Welcher Teil der Teepflanze wird bei der Ernte gepflückt und weiterverarbeitet?

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Im Frühjahr austreibende Blattknospe der Camelia Sinensis.

Der Neuaustrieb des Teestrauches im Frühjahr bildet, wenn man ihn bis zum Herbst wachsen lässt, fünf bis sechs neue Blätter aus. Da die ersten keimenden und sich entfaltenden Blätter am zartesten sind und das meiste Aroma besitzen, werden diese für hochwertige Tees gleich zu Beginn der Wachstumsperiode gepflückt. Je nach Lage im April bis Mai. Entweder wird nur das erste geöffnete Blatt mit der noch ungeöffneten Blattknospe (z.B. Buddhist Tea) gepflückt, oder die zwei ersten zarten Blätter und die Blattknospe (two leaves and a bud) bei einem Tian Mu. Später findet man, gute Verarbeitung vorausgesetzt, viele zusammenhängende Blätter und Knospen in der Infusion (Teeblätter nach dem Aufguss). Eine besondere Vorgehensweise gibt es beim kostbaren Tai Mu Long Zhu, oder White Dragon Pearl Tea: Hier werden drei Blätter und die zarte Blattknospe gepflückt und zur Weiterverarbeitung in die Teefabrik transportiert. Hier angekommen werden die zwei untersten Blätter entfernt, die nur den Zweck hatten, auf dem Transportweg die zarteren Teile des Triebes zu schützen. Erst dann wird dieser Tee weiterverarbeitet. Welch ein Aufwand für diesen wunderbaren, kostbaren Tee.

Das erste sich öffnende Blatt zeigt bei einigen Teepflanzen eine Besonderheit: es ist nach dem Keimen für ein bis zwei Tage mit einem zarten Flaum aus Blatthärchen besetzt. Dieser Umstand gab einigen Teesorten ihren Namen. Mao Feng z.B. bedeutet »silbrige, haarige Spitze«.

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Neuaustrieb mit hier 4 entwickelten Blättern und einer Blattknospe.

Für Oolong werden alle 4 bis 5 entwickelten Blätter mitsamt dem Blattstiel gepflückt. Mit ein Grund hierfür ist die sehr aufwendige Verarbeitung der Teeblätter durch mehrmaliges Rollen, Fermentieren, erneutes Rollen usw. Dies würden sehr zarte Blätter nicht unbeschadet überstehen. Wichtig zu bemerken ist hier auch, dass es etwa 300 Unterarten der Stammpflanze Camelia Sinensis gibt, die je nach gewünschtem Teegeschmack und Aussehen gezüchtet wurden. Einige Arten bilden sehr kleine, zarte Blätter aus, andere sehr lange, schmale, nur für ein bis zwei Tage flaumbesetzte Knospen, die den aus ihnen gefertigten Tee charakterisieren (s.o.).

 

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Die Zartheit der neu sprießenden Blätter ist im Gegenlicht besonders gut zu erkennen.

Das Besondere am Teestrauch ist, dass er zur Abwehr von Schädlingen gerade in den neutreibenden, zarten Blättern, die besonders verführerisch auf Insekten wirken, viel Teein (Koffein) bildet. Die älteren, stabileren und härteren Blätter benötigen diesen Schutz nicht in diesem Maße. Dies hat auch zur Folge, dass Oolong, da er aus teilweise schon ganz entwickelten, reiferen Blättern hergestellt wird, wenig Teein enthält, ganz im Gegensatz zu einem Gyokuro, für dessen Herstellung gerade die jüngsten, zartesten Blätter gepflückt werden.

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